Coaching Beispiel 2 - Überprüfung der eigenen Führungskompetenz
Die Ausgangssituation
Herr A. führte sein internationales Einzelhandelsunternehmen immer mit offener Bürotür. Dennoch beklagte er, dass seine Mitarbeiter viel zu spät mit Problemen zu ihm kämen. Schließlich eskalierte die Situation, als er am Telefon „so richtig ausrastete“ und einen Mitarbeiter regelrecht anschrie. Die gesamte Etage hatte diesen Ausbruch mitbekommen, aber angeblich wisse man ja, dass sich „der Chef schnell wieder beruhigt“.
Herr A. entschied sich für ein Einzelcoaching, um einen Weg zu finden, seine Mitarbeiter zu früherer Problembesprechung mit ihm zu motivieren.
Der Coaching-Prozess
Bereits beim Betreten der Büroetage bzw. auf der Suche nach dem Coachingraum spürte ich die angespannte Atmosphäre. Als ich mich in einem Büro nach dem Weg zum Konferenzraum erkundigte, zuckte der Mitarbeiter erschrocken zusammen, sprang auf, nahm eine militärisch-straffe Haltung an – fast erwartete ich, dass er salutiert – und beschrieb mir dann höflich, aber kurz angebunden den Weg.
Da ich mich dennoch verirrte, klopfte ich an einem anderen Büro an, um nachzufragen. Hier traf ich auf die fast duckmäuserische Reaktion einer weiblichen Mitarbeiterin, die mir mit weinerlicher Stimme den Weg wies.
Vor dem Konferenzraum angekommen, wurde die Tür von innen aufgerissen: Groß und massiv stand Herr A. vor mir, begrüßte mich mit dröhnender Stimme und dem jovialen Hinweis, dass ich sehr pünktlich sei.
Nach kurzem Einstieg wollte ich wissen, warum er seinem Mitarbeiter gegenüber ausfällig geworden sei: Ein verärgerter Kunde habe sich bei ihm über mangelnde Kulanz des Mitarbeiters nach einer Beschwerde beklagt. „So etwas darf auf keinen Fall passieren“, betonte Herr A.
Der folgende Coaching-Prozess wurde durch wiederholtes Feedback bestimmt. Stets legte Herr A. dasselbe unterschwellig-aggressive Verhalten an den Tag, genau wie im Umgang mit seinem Team. Ein vereinbarter Visitationstag, an dem ich Herrn A. zu allen Terminen und Sitzungen begleitete, unterstrich diese Beobachtung.
Für Herrn A. war im Verlauf des Coachings die grundlegende Einsicht wichtig, dass seine unkontrollierten Gefühlsausbrüche bei seinem Team ein „Chef-Vermeidungsverhalten“ bewirkten.
Das Ergebnis
Getreu dem viel zitierten Motto: „Nicht immer, aber immer öfter“ erlernte der Kunde zeitnahes, ruhiges Nachfragen und konnte eine freundliche und dennoch bestimmte Kommunikation gegenüber seinen Mitarbeitern etablieren.
In der Folge verbesserte sich das gesamte Betriebsklima, das Team zeigte deutliche Leistungssteigerung und mehr Verantwortungsbereitschaft. Entsprechend drastisch sank die Fehlerquote, und drei laufende Projekte konnten effizient und wirtschaftlich abgeschlossen werden, was wiederum zu nachweislichen Umsatzsteigerungen im Verkaufsbereich führte.
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